Das Herz von Porsche

Wer zu Alexander Fabig kommt, lässt sich nicht einfach ein Auto bauen. Vielmehr geht es um das gemeinsame Gestalten eines Traums. Wir sprachen mit dem Leiter der Abteilung Individualisierung und Classic bei Porsche über die Grenzen des Möglichen, Gotteslästerung und Unvernunft. Und übrigens, es gibt Grenzen. Auch wenn der Kunde König ist.
Text Michael Köckritz
Bild Kirill Kirsanov · ramp.pictures

Herr Fabig, wie kam es zu der Schnittmenge aus Individualisierung und Classic?
Die ist historisch gewachsen. Classic entstand aus dem Bereich Technik und der Individualisierungsbereich teilweise aus der Werksreparaturabteilung und teilweise aus dem Marketing. Die Geburtsstunde für das Zusammenführen war 2004 eine Organisationsveränderung, bei der die Bereiche Zubehör, Individualisierung, Werksabholung und Classic, Restaurierung und Teilegeschäft in einem Bereich zusammenkamen. Das verbindende Element war die Werkstatt, weil wir diese sowohl für die Restaurierung von Klassikfahrzeugen als auch für die Individualisierungen benötigen. Es ist aber nicht nur einfach eine Werkstatt: Ich bezeichne die Kolleginnen und Kollegen dort gerne als »Künstler«, die unsere Sportwagen restaurieren und individualisieren. Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe an Synergien, vor allem im Bereich des Einkaufs und der Lieferantenstruktur. Eine große Anzahl der Kunden, die ein limitiertes Neufahrzeug wie die 911 Targa 4S Heritage Design Edition kaufen, besitzt auch ein Klassikfahrzeug. Also sprechen wir oft mit Kunden, die ein Auto individualisieren und ein anderes restaurieren lassen.

So etwas wie die Heritage Design Edition gab es früher nicht.
Das ist richtig. Es gab zwar zuletzt in 2017 die goldene 911 Turbo S Exclusive Series und in der Historie beispielsweise die Kleinserie 911 Turbo S mit 345 Einheiten auf Basis des 993. Aber eine Serie aus vier Fahrzeugen – das machen wir jetzt zum ersten Mal. Und dass eine Serie in eine Systematik in der Classic eingeordnet ist? Klassische Umfänge zu zitieren, das gab es schon beim 911 Sport Classic aus 2009, der 250-mal gebaut wurde. Nun verfolgen wir das Ziel, Dekaden wiederaufleben zu lassen. Es ist etwas ganz Neues und zugleich eine Hommage an die Historie. Man könnte also sagen, es handelt sich um eine dekadengerechte Neuinterpretation dessen, was Porsche in den Fünfzigerjahren unter anderem ausgemacht hat.

Nun gibt es auch eine Magnus-Walker-Kultur, in der klassische Porsche individualisiert werden.
Natürlich gibt es viele unterschiedliche Stimmen zu ihm als Person. Wir hatten schon recht früh Kontakt miteinander, und ich mag ihn. Er hat die Szene stark beeinflusst, und für mich ist das, was dort stattfindet, was die Begeisterung und den zeitlichen wie finanziellen Aufwand betrifft, ein Beleg, wie viel Kraft die Marke Porsche hat. Deshalb sehen wir es auch nicht als Gotteslästerung an, sondern als eine friedliche Koexistenz derer, die das Auto in seiner Urform bewahren wollen. Das gilt auch für die Gusseisernen, die bewerten, ob auf einer Felge innen auch wirklich der Stempel von damals ist.

Könnte ich eigentlich mit einem 964er zu Ihnen kommen und Sie bitten, ihn zu einem Singer Porsche umzubauen, so ganz naiv?
Nein. Auch hier gilt das Prinzip der Koexistenz. Wir denken, dass auch Singer vor allem aus Sicht der Porsche Community eine positive Wirkung auf die Marke Porsche hat. Sie können aber sehr gerne mit Ihrem 964 zu uns kommen und Ihre ganz eigene Idee umsetzen lassen.

»Nun verfolgen wir das Ziel, Dekaden wiederaufleben zu lassen. Es ist etwas ganz Neues und zugleich eine Hommage an die Historie. Man könnte also sagen, es handelt sich um eine dekadengerechte Neuinterpretation dessen, was Porsche in den Fünfzigerjahren unter anderem ausgemacht hat. « - Alexander Fabig

Und wenn ich das Auto gerne ein bisschen breiter hätte?
Wir würden sagen: »Lassen Sie uns doch gemeinsam mit unserem Design-Spezialisten für individuelle Projekte Grant Larson schauen, wie wir Ihren persönlichen Traum-964er daraus machen.« Man könnte sich ein Stück von dem Thema Singer lösen und damit anfangen, was es werden soll. Es geht ja um Formen, um Farben, um das Material. Wenn Sie jetzt von mir wissen wollen, wie weit wir gehen: Alles würde unter der Hoheit des Teams von Michael Mauer und unter der Wahrung unserer Designprinzipien betrachtet werden. Genietete Lederelemente im Sitz setzen wir wahrscheinlich nicht um. Es gibt Ausschlusskriterien. So übernehmen wir auch keine Designelemente anderer Marken. Das Thema ist »wirklich kreieren«. Wir möchten, dass jedes Auto kundenindividuell entsteht – und üblicherweise in der Stückzahl eins.

Sind Ihre Kunden überwiegend Männer?
Ja.

In jedem Fall würde ein Kunde eine richtige Stilberatung von Ihnen bekommen, richtig? Aber oft weiß der Kunde ja nicht, was er will.
Das ist perfekt formuliert. Ich sage immer, dass es nicht um das Fahrzeug geht, sondern darum, den Menschen kennenzulernen. Das erfordert Zeit. Wir sprechen insgesamt von wenigen Projekten, die wir uns vornehmen. Gerade haben wir einen Kunden, mit dem wir erst demnächst in die Projektphase eintauchen und mit dem wir schon etliche Stunden verbracht haben. Und mit jedem Termin finden wir ein bisschen besser heraus, was ihn ausmacht, und kommen dem persönlichen Traumwagen ein Stück näher.

Credit: ramp.pictures

Und wie muss man sich so einen Termin vorstellen?
Bei der Stilberatung schauen wir uns Musterteile und Autos an. Wir laufen durch die Museumssammlung. Wir gehen in unsere Kundenberatung in Zuffenhausen, betrachten die Ausstellungsfahrzeuge. Das initiale Feedback des Kunden hilft uns, ein Gespür dafür zu entwickeln, welche Elemente ihm besonders gut gefallen.

Das erfordert ja eine besondere Ausbildung.
Stimmt, wir haben einen hohen Spezialisierungsgrad. Grant Larson ist natürlich eine echte Koryphäe, weil er eine Persönlichkeit in der Historie von Porsche ist und das ganze Pfund an Erfahrungen, mit dem er die Marke beeinflusst hat, mitbringt. Es gibt aber auch immer einen Sonderwunsch-Kundenberater, der den persönlichen Kundenkontakt pflegt, und einen Projektmanager, der einen kühlen Kopf und den Überblick über alle Meilensteine behält. Und wir haben von Anfang an einen technischen Experten, der später für den Fahrzeugbau verantwortlich ist, mit dabei.

»Ich sage immer, dass es nicht um das Fahrzeug geht, sondern darum, den Menschen kennenzulernen. Das erfordert Zeit.«

Alexander Fabig

Für die Machbarkeit?
Ganz genau. Es sind also insgesamt vier Personen im Kernteam. Die erste Konzeptphase läuft circa ein Jahr, bis am Ende ein Lastenheft entsteht. Darin ist das Auto technisch beschrieben, das Design ist festgehalten – und es hat ein Preisschild.

Lesen Sie das gesamte Interview mit Alexander Fabig in der kommenden rampstyle #22. Erhältlich ab Freitag.


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