Der Herz-Spezialist: Cary Joji Fukunaga

Cary Joji Fukunaga war erst nicht als Regisseur und Drehbuchautor für den neuen Bond eingeplant, seine Wahl erwies sich aber als Glücksfall. Ein Gespräch über Eingangssequenzen und seltsame Filmtitel.
Text rampstyle
Bild Universal

Ein Sturz in den französischen Alpen beendete Cary Joji Fukunagas Traum, Snowboard-Profi zu werden. Da war der Kalifornier Mitte zwanzig. Fukunaga entschied sich dann, ein Filmstudium zu beginnen, eine schicksalhafte Entscheidung, wie man sagen muss: Sein Kinodebüt »Sin Nombre« wurde beim Sundance Film Festival 2009 doppelt prämiert, es folgte die gefeierte Serie »True Detective«. Dass der 44-Jährige »Keine Zeit zu sterben« inszenieren durfte, war wieder so eine unvermutete Wendung.

Eigentlich sollte Danny Boyle Regie führen, der sprang aber wegen künstlerischer Differenzen ab. Der Job ging an Fukunaga. Für den Sohn eines Japaners und einer Schwedin eine große Ehre, wie er sagt: »Wann hat man es schon mit einer Ikone wie James Bond zu tun?« Besonders seinen letzten Tag am Set wird Fukunaga nie vergessen: »Man spürte, dass hier eine Ära zu Ende geht. Erst fingen die Leute von der Maske an zu heulen, dann das Stunt-Double und schließlich auch Produzentin Barbara Broccoli.«




Mit der Verfolgungsjagd durch das italienische Städtchen Matera ist Ihnen eine spektakuläre Eingangssequenz gelungen. Glückwunsch!
Danke für das Kompliment. Mein Ansatz war, die Beziehung zwischen Bond und Madeleine Swann, gespielt von Léa Seydoux, verständlich zu machen, immerhin wird mit diesem Film Daniel Craigs Bond-Geschichte zu Ende erzählt. Daher war es mir wichtig, schon am Anfang einen Hinweis auf die Handlung zu liefern.

Welche Aspekte von Bonds Charakter waren Ihnen wichtig?
Mir lag es am Herzen zu erklären, wie die letzten Filme aufeinander aufbauen. Der Schlüssel dazu ist die Beziehung zu Vesper Lynd, die in »Casino Royale« von Eva Green gespielt wurde. Es geht um die Verletzungen, die auf dem Schaden aufbauen, den sie als Doppelagentin angerichtet hat. Was hat dieser Verrat mit Bond gemacht – 15 Jahre später? Wohin hat dieses Erlebnis sein Herz geführt? In welchem Zustand ist es? Schlägt es überhaupt noch?

Fans können »Keine Zeit zu sterben« jetzt zu Hause noch einmal sehen. Über welche Szenen werden die sich am meisten freuen?
Schwer zu sagen. Es gibt viele großartige Dialoge, egal, ob es die von Safin – gespielt von Rami Malek – und Madeleine Swann in der Psychologie-Praxis sind oder das Gespräch zwischen Blofeld und Bond in Belmarsh. Es gibt immer wieder kleine Perlen zu entdecken.

Das müssen wir noch fragen: Wer war eigentlich für den Filmtitel zuständig?
Ich leider nicht, das war die Produzentin Barbara Broccoli, die wahrscheinlich ein ganzes Archiv mit Notizen mit möglichen 007-Titeln besitzt. Aber es stimmt, die Entscheidung fällt jedes Mal wirklich schwer. Bond-Titel sind auf eine sehr spezielle Art konstruiert, sie klingen leicht seltsam, auf jeden Fall anders und immer ein bisschen darüber. Ich kann es nicht genau erklären, zumal ich nie gut darin war, mir Titel auszudenken (lacht).

»Mir lag es am Herzen zu erklären, wie die letzten Filme aufeinander aufbauen.«

Cary Joji Fukunaga




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