Die Schneefallschlacht: Porsche Taycan Sport Turismo

Die nordische Kombination verbindet Langlauf und Skispringen. Und Porsche? Kombiniert im Taycan Sport Turismo jetzt so ziemlich alles, was man sich von einem Auto wünschen kann. Macht am Ende was? Winter-Festspiele zwischen strategischer Langstrecke und Adrenalinrausch.
Text Marko Knab
Bild Marko Knab · ramp.pictures

Schnee fällt lautlos, besitzt in rauen Mengen aber eine unglaubliche Kraft. Ganz ähnlich ist es auch mit dem Strom: Der ist an sich und beim Antrieb von Fahrzeugen ebenfalls ein ziemlich stummer Geselle. Kommt beides aber erst einmal ins Rollen, gibt es fast kein Halten mehr. Nein, hier oben auf der Rossfeldpanoramastraße im Deutsch-Österreichischen Grenzgebiet geht keine Lawine ab – sondern der Taycan Sport Turismo in der Turbo-Variante. Und wir? Lassen den elektrischen Super-Kombi mit Allradantrieb nur folgerichtig auf verschneite Serpentinen los. So viel sei schon mal verraten: Selten hat ein »vernünftiges« Auto mehr Spaß gemacht. Aber von Anfang an.

Los geht’s in Leogang und wir rollen kontrolliert durch die Tiroler Idylle. Das Cruisen beherrscht der Taycan mit der dritten Karosserievariante genauso gut wie seine Brüder. Hier trifft die praktische Karosserieform des Cross Turismo auf tiefergelegte Onroad-Performance, die wir von der Limousine mit der Wahrnehmung verschiebenden Beschleunigung kannten. In anderen Worten: Porsche schließt die Lücke zwischen Vernunft und Spaß – wenn es die je in Zuffenhausen gegeben haben sollte. Und wir spulen die Kilometer ab, mit dem Ziel Rossfeldpanoramastraße.

So viel sei schon mal verraten: Selten hat ein »vernünftiges« Auto mehr Spaß gemacht. Aber von Anfang an.

Ansonsten gilt beim Fahrgefühl: Der Taycan Sport Turismo fährt sich so, wie sich ein Taycan eben so fährt – das voluminösere Heck spürt man nicht. Nicht auf der Langstrecke, die er unaufgeregt erledigt, nicht bei sportlicher Fahrweise. Fahrdynamisch versteht es der Neue, die minimal höhere Dachlinie und das größere Volumen im Rücken komplett vergessen zu machen. Bekannt stoisch und auf Wunsch auch geradezu ignorant performant geht es nach vorne, sofern das ESC aktiviert ist. Wird der Touch-»Schalter« im Armaturenbrett aber umgelegt, dann erwacht der Sport im Turismo und 625 PS würgen an den vier Antriebsrädern. Fauchend stürmt der Sport Turismo jetzt wild durch den Schnee kurz hinter der Mautstation an der Rossfeldpanoramastraße.

Der Taycan Sport Turismo fährt sich so, wie sich ein Taycan eben so fährt – das voluminösere Heck spürt man nicht. Nicht auf der Langstrecke, die er unaufgeregt erledigt, nicht bei sportlicher Fahrweise.

So lange eben, bis der Taycan und die weiße Pracht selbst nur so fliegen. Da kann es dann schon mal vorkommen, dass der Redakteur in einem auf dem Papier ziemlich vernünftigen Auto vor Freude kichert. Wer in aller Welt hat denn behauptet, dass Elektroautos mit Kombiheck keinen Spaß machen dürfen? Quer geht es durch die erste Serpentine, nichts von den 2330 Kilo Gewicht zu spüren. Von wegen Blechlawine – das Pedal fällt wieder, und die anthrazitfarbene Naturgewalt arbeitet sich weiter unaufhaltsam den Berg nach oben. Kurve um Kurve. Oben angekommen? Sind wir schneller als gedacht, trotz geschlossener Schneedecke. Der Taycan hat Schnee gefressen und ist rundum eingepudert und verschmiert.

Was sonst noch bleibt? Die Erkenntnis, dass der Sport Turismo neben dem gewachsenen Laderaum in allem, was er tut, als Taycan noch ein bisschen besser geworden ist. Und das merkt man. Zwar nicht immer sofort – aber das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Besseres Infotainment, überarbeiteter und effizienterer Charging Planner und das verstellbare Sonnendach bringen echten Mehrwert. Man könnte auch sagen: der Taycan wird erwachsen. Gut so – der Fahrer kann sich so nämlich noch ein bisschen tiefenentspannter und mit nachhaltig gutem Gewissen auf das gänzlich unerwachsene Spielen im Schnee konzentrieren.



Porsche Taycan Turbo Sport Turismo
Antrieb: Zwei Elektromotoren
Batteriekapazität: 93,4 kWh
Leistung: bis zu 460 kW (625 PS),
bis zu 500 kW (680 PS) bei Overboost
Max. Drehmoment: 850 Nm
Beschleunigung: 0-100 km/h in 3,2 s
Vmax: 260 km/h


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