Eine Dimension mehr

Die Wahl zu haben ist kein Luxus, sondern eine Grundlage unseres Lebens. Über die Erweiterung der Trofeo-Versionen bei Maserati.
Text Matthias Mederer
Bild Maserati

Öl, Gummi und tote Fliegen als Make-up im Gesicht, die Fahrerbrille in den Wind gestemmt und die Lederhandschuhe am Holzvolant. Verträumte romantische Gedanken am Abend. Sie seien uns vergönnt, denn bei einem Maserati ist es noch immer so, dass wir ganz automatisch an Juan Manuel Fangio denken, an dramatische Rennsiege mit legendären Wagen und atemberaubenden Motoren. Alleine die Modellbezeichnung 250F – es soll Männer geben, die ernsthaft darüber nachgedacht haben, ihren Erstgeborenen so zu nennen. Will sagen: Maserati und Performance, das ist eine Verbindung, die über Jahrzehnte gewachsen ist. Das sollte man wissen, wenn man heute in einen Maserati steigt, das Interieur betastet, riecht, den Motor startet und diesen Sound hört, der nie nur im Gehör und Gehirn stattfindet, sondern immer auch im Bauch. Dort, wo auch der Instinkt fürs Gegenlenken sitzt.

Aber da ist noch etwas anderes. Wer weiter durch die Markengeschichte blättert, der stößt bereits in den 1960er-Jahren auf Modelle, die Sportlichkeit mit Eleganz verbinden, also das Segment der Luxus-Sportlimousine, als es dieses noch gar nicht so wirklich gab. Auch hier gibt es Heritage, wie es heute so schön genannt wird. Und dann gibt es da ja noch die Filme, allen voran »Ziemlich beste Freunde«, die Hymne auf all die Dinge, auf die es im Leben ankommt: auf den menschlichen Geist, Freundschaft, Mitmenschlichkeit – und einen Maserati, wenn man so will. Schwarz. Und bei jedem Gasstoß mit einem Sound, als ob ein afrikanischer Löwe gerade das Wort zum Sonntag in die Savanne brüllt.

Es bedarf deshalb keiner weiteren Beweisführung für das Besondere in der Marken-DNA von Maserati, für das Lustprinzip einerseits, für die damit einhergehende allgemeine Erwartung andererseits. Innovation, Luxus und Performance mögen gern verwendete und geläufige Begrifflichkeiten sein, einzig müssen sie heute mehr denn je mit Inhalten gefüllt werden, gerade weil die Kundschaft kritischer und weniger markenverbunden als früher ist. Heute sind sich die meisten Experten darin einig, dass alle Konsumenten im Laufe der Zeit eine ähnliche Entwicklung durchlaufen: Sie werden vom »Neuling« über den »Aufsteiger« und den »Exklusivitäts-­Enthusiasten« zum »wahren Connaisseur«, also zu einem Kenner. Zu jemandem, der weiß, dass sich hinter dem Kürzel MSP das Maserati Stability Program verbirgt, das unter extremen Testbedingungen entwickelt wurde und zahlreiche Sensoren nutzt, um bei Schlupf im Bruchteil von Sekunden das Drehmoment des Motors zu drosseln, spezifische Bremsmanöver zu steuern, um die Fahrzeugstabilität wiederherzustellen. Der Kenner weiß dann auch, dass dem MSP bei den Trofeo-Modellen von Maserati ein IVC (Integrated Vehicle Control) integriert wurde, um auch bei abgeschaltetem MSP die Querdynamik für den Fahrer unmerklich zu optimieren. Man könnte an dieser Stelle also genüsslich den alten Oscar Wilde-Kalauer raushauen, wonach Geschmack ganz einfach »für mich nur das Beste« ist. Doch das trifft es nicht ganz. Weit tiefer greift da eine andere Erkenntnis des Schriftstellers: »Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.«

»Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.«

Trofeo, das sind die feinen Details, die den Unterschied ausmachen. Und Trofeo bedeutet immer schon: mehr Dampf! Jetzt nach dem Levante auch für den Ghibli und den Quattroporte. Der Motor ist vom V8 des Quattroporte GTS und des Levante Trofeo abgeleitet, hat kehlige 3,8 Liter Hubraum und leistet in beiden Fällen 580 PS. Das bedeutet jeweils Kraft für 326 km/h Topspeed. Damit sind Ghibli Trofeo und Quattroporte Trofeo die schnellsten Maserati Limousinen aller Zeiten. Anders als der Levante sind die beiden auch noch reinrassige Hecktriebler. Und schon wird es schwierig, die richtigen Worte zu finden, plötzlich greifen Ansätze, die nicht mehr mit Fakten, Fakten, Fakten untermauert werden können. Und das bringt uns unweigerlich zu dem, was der Engländer unübersetzbar mit »guilty pleasure« beschreibt: Bewegung als Abenteuer. Das Verlassen des Vertrauten, der Reiz des Verbotenen. Tempo und Rock ’n’ Roll, bei Dunkelgelb noch schnell über die Ampel, mit Tacho 120 statt der erlaubten 100 km/h über die Landstraße. Sich verfahren und Menschen nach dem Weg fragen, ein bisschen übermütig.

»Der Motor ist vom V8 des Quattroporte GTS und des Levante Trofeo abgeleitet, hat kehlige 3,8 Liter Hubraum und leistet in beiden Fällen 580 PS.«

Das Gefühl von Freiheit. Das Unwägbare also. Zufall. Spaß. Bei Maserati gibt es dafür einen sehr konkreten Begriff: Corsa. Der über die Tasten an der Mittelkonsole auswählbare Corsa-Modus ergänzt die bereits bekannten Fahrmodi Normal, I.C.E. und Sport. Aktiviert wird der Modus durch zweimaliges Drücken der Taste »Sport/Corsa« am überarbeiteten Bedienfeld in der Mittelkonsole. Sofort nach der Aktivierung stellt sich eine spürbare Veränderung ein, die wohl am besten mit dem beschrieben wird, was Leistungssportler »Körperspannung« nennen. Das Gaspedal spricht viel direkter an, die Gänge wechseln spürbar schneller, das luftgefederte Fahrwerk zieht das Auto näher an den Asphalt, Traktionskontrolle und ESP nehmen sich deutlich zurück. Das Hohelied des Corsa-Modus, die Königsdisziplin also, wenn man so möchte, ist die Launch Control – der sportliche Start aus dem Stillstand bis 100 km/h, dessen Messung so gnadenlos ehrlich wie eindeutig ist: 4,3 Sekunden stehen für den Ghibli Trofeo und 4,5 Sekunden für den Quattroporte Trofeo als Zielvorgabe im Protokoll. Die erreichen sie auch. Immer wieder.

Natürlich bedienen die Trofeo-Modelle ganz automatisch auch über das Maserati Connect-Programm alle Anforderungen der mobilen, digitalen Welt. Das gibt eine größere Sicherheit bei Pannenhilfe oder Fahrzeugdiebstahl. Alexa oder Google Assist fahren stets mit. Und so gilt gerade für die Maserati Trofeo-Modelle: Das Auto ist ein Kraftfahrzeug, noch mehr aber ein Fahrzeug mit Anziehungskraft.




Maserati Ghibli Trofeo
Motor V8-Biturbo
Hubraum 3.799 ccm
Leistung 580 PS (427 kW) bei 6.750 U/min
Drehmoment 730 Nm bei 2.250 U/min
0–100 km/h ca. 4,3 s
Vmax 326 km/h

Maserati Levante Trofeo
Motor V8-Biturbo
Hubraum 3.799 ccm
Leistung 580 PS (427 kW) bei 6.750 U/min
Drehmoment 730 Nm bei 2.500 U/min
0–100 km/h ca. 4,1 s
Vmax 302 km/h

Maserati Quattroporte Trofeo
Motor V8-Biturbo
Hubraum 3.799 ccm
Leistung 580 PS (427 kW) bei 6.750 U/min
Drehmoment 730 Nm bei 2.250 U/min
0–100 km/h ca. 4,5 s
Vmax 326 km/h


ramp shop


Letzte Beiträge

Fortsetzung folgt: die Jaguar Continuation Cars

Am Weltkatzentag schauen wir standesgemäß nach England - wo Jaguar mit dem C-Type das nächste seiner Continuation Cars vor kurzem enthüllt hat. Sie zu fahren ist ein Abenteuer der unvergesslichen Art. Was unter anderem daran liegt, wie unfassbar unbequem man in so einem Jaguar C-Type oder E-Type Lightweight sitzt. Aber eben nicht nur. Es ist außerdem ein Riesenspaß.

Sonnenklar: Coole Produkte für heiße Tage

Der Sommer läuft derzeit zur Hochform auf - und wir tun es ihm gleich. Mit den besten Gadgets und Must-haves für die schönste Zeit des Jahres. Unser Guide für alle, denen noch die richtige Badehose fehlt - oder die auf der Suche nach der perfekten Sonnenbrille und dem idealen Transportmittel sind.

Art. Déco. Racer. Der Bugatti Type 59/50 BIII

Es gibt seltene und legendäre Autos. Und dann gibt es den Bugatti Type 59/50 BIII, der unter Kennern auch als »Cork-Rennwagen« bekannt ist. Und nein, nicht nur seine elegante Karosserie macht ihn besonders. Vielmehr seine gesamte Geschichte ist unglaublich – und unglaublich spannend. Auch für die Molsheimer Marke selbst.

Brad Pitt: »Ich trage mein Alter wie ein Ehrenabzeichen.«

In seinem neuesten Film »Bulett Train« spielt Brad Pitt einen Auftragskiller, der in eine ausgesprochen wilde Zugfahrt mit glücklichem Ende verwickelt wird. Was uns zur Frage brachte: Ist Brad Pitt glücklich? Im Gespräch mit dem 58-Jährigen klar, welche Erkenntnisprozesse der Schauspieler durchmachte – und welchem Prinzip er folgte, um zu diesem Gefühl zu finden.