Go Let It Out: Noel Gallagher im Interview

Mit der Band Oasis wurde Noel Gallagher zu einem der größten Popstars der 90er-Jahre. Dann zerstritt er sich mit seinem Bruder Liam, wie es nur Geschwister können. Heute lebt der 54-Jährige mit seiner Frau und zwei Söhnen die meiste Zeit auf dem Land und bringt mit seiner Band Solo-Alben heraus. Was ihn noch immer auszeichnet: seine Vorliebe für Beschimpfungen aller Art und ein überaus gesundes Selbstbewusstsein.
Text Ulf Lippitz
Bild Matt Crockett

Mister Gallagher, Sie gründeten mit Ihrem Bruder Liam die Band Oasis, gelten als einer der besten Songwriter Englands und wurden von einer Zeitung zum »Pub-Philosophen« gekürt. Waren Sie schon wieder in einem Pub?
Ja, gleich am ersten Tag im April, als die Pubs in London ihre Außenbereiche öffneten. Eine ziemlich trostlose Angelegenheit. Ich hatte einen dicken Parka an, hockte in der Dunkelheit und trank Bier, während mir die Finger abfroren.

Wie verlief das Jahr der Pandemie bei Ihnen?
Die meiste Zeit habe ich mit meiner Frau und unseren zwei Söhnen auf dem Land in Hampshire verbracht. Manchmal bin ich nach London reingefahren, einfach um mir die leeren Straßen anzusehen. Beruflich war es ein gutes Jahr, ich habe einige Lieder für mein Best-of-Album geschrieben, aber persönlich ging es nicht so gut. Ich fiel in schlechte Angewohnheiten zurück, die ich überwunden glaubte. Habe ich nichts zu tun, mache ich nichts am liebsten mit Alkohol.

Sie könnten Ihren Kindern beim Homeschooling über die Schulter gucken.
Ich habe zugesehen, wie die Lehrer ihnen online etwas beibringen wollten. Meine Jungs saßen nachmittags in Unterhosen vor dem Computer, aßen Toast, während sie Blödsinn lernen sollten, der vor hundert Jahren passiert ist.

»Beruflich war es ein gutes Jahr, aber persönlich ging es nicht so gut. Habe ich nichts zu tun, mache ich nichts am liebsten mit Alkohol.«

Noel Gallagher

Warum haben Sie nicht geholfen?
Ich war besoffen. Sehen Sie, ich brauche Routine. Ich bin ein Typ, der besser bestimmte Dinge zu einer bestimmten Uhrzeit macht. Und wenn diese Struktur aufgebrochen wird, weiß ich nicht, was ich mit mir anstellen soll.

Vielleicht ein Lied schreiben?
Inspiration kommt, wann immer es ihr passt. Bestimmt nicht, wenn du den ganzen Tag herumsitzt und auf sie wartest. Ich war wie eine Fahne im Wind, ließ mich treiben und öffnete eine Flasche, um mich besser zu fühlen. Es wurde erst besser, als ich mir im November ein Musikstudio in London einrichtete. Das Studio war die Rettung für mich.

Credit: Trunk Archive
Credit: Trunk Archive

Eigentlich mögen Sie es doch nicht, wenn Leute zu viel an die Arbeit denken.
Wenn Sie glauben, was Musiker tun, sei Arbeit, sollten Sie mal Ihre Definition des Wortes überdenken. Was wir machen, nenne ich fucking about (höflich übersetzt: rumfriemeln). Die Leute, die zu viel arbeiten, sind Politiker, Bürokraten, Banker, Terroristen. Die Politiker sollen verdammt noch mal mehr zu Hause sitzen und ihre Freunde anrufen anstatt das Leben anderer Menschen zu ruinieren. Ich bin mir sicher, ein Workaholic hat das Internet erfunden, irgend so ein geschäftiges Arschloch. Wissen Sie, was noch schlimmer ist?

»Ich bin mir sicher, ein Workaholic hat das Internet erfunden, irgend so ein geschäftiges Arschloch.«

Noel Gallagher

Verraten Sie es uns.
Ein geschäftiges amerikanisches Arschloch. Die Amis haben echt alles erfunden, was falschläuft in dieser Welt. Und die amerikanische Kultur wird uns sieben Tage die Woche reingewürgt. Fucking Starbucks, Baseball, Gangsta-Rap!

Mit Hip-Hop konnten Sie bereits vor 15 Jahren nichts anfangen und haben Eminem als Idioten und 50 Cent als »widerwärtigste Person, der ich je begegnet bin« beschimpft.
Der Hip-Hop, mit dem ich aufgewachsen bin, hat in den 90er-Jahren aufgehört zu existieren. Alles danach ist ein Witz. Jetzt geht es nur noch um den sogenannten Kampf.

[…]

Lesen Sie das gesamte Interview mit Noel Gallagher in der aktuellen rampstyle #22.

Jetzt erhältlich!


ramp shop


Letzte Beiträge

Goodwood Forever

Bilder vom legendären Goodwood Revival füllen gerade wieder die sozialen Medien. Mit neu entdeckten alten Autos, bekannten Akteuren und ganz viel Style. Und wir? Zeigen die Historie des einzigartigen Treffens in ungesehener Weise - nämlich als Comic.

Goodwood Revival – Der ramp Style Guide

Jedes Jahr im September trifft sich die Elite der Vintage-Car-Fans auf der Spielwiese des Earls of March zum “Goodwood Revival”. Beim Festival an der historischen Rennstrecke gehört es zum guten Ton, dass man sich im zeitgenössisch entsprechenden Stil des mitgebrachten Fahrzeugs kleidet. Unser Style-Guide zum Event am Wochenende.

Tief im Westen

Natürlich hätten wir über diese Geschichte auch »Hömma« schreiben können. Weil sie uns ins Ruhrgebiet führt, eine Region, die sich komplett neu erfand, ohne ihre Historie zu verleugnen. Aber natürlich auch, weil das Motorrad eine Harley-Davidson Sportster S war.

Der Columbo-Effekt

Am Montag erscheint die rampstyle #23 am Kiosk. Der Titel: »Ich. Mal wieder.« Stellt sich dann eigentlich nur noch die Frage, wie man sich diesem »Ich« überhaupt und ideal annähert. Wir empfehlen grundsätzlich eine entspannte Kombination aus zwei Strategien.