Goodwood Revival – Der ramp Style Guide

Jedes Jahr im September trifft sich die Elite der Vintage-Car-Fans auf der Spielwiese des Earls of March zum “Goodwood Revival”. Beim Festival an der historischen Rennstrecke gehört es zum guten Ton, dass man sich im zeitgenössisch entsprechenden Stil des mitgebrachten Fahrzeugs kleidet. Unser Style-Guide zum Event am Wochenende.
Text Helmut Werb
Bild Getty Images

In den letzten Jahren haben sich in Goodwood zunehmend klassische Prototypen von Damen- und Herrenoberbekleidung herauskristallisiert, die akzeptabel sind und die die Veranstalter freundlicherweise in einer Art Stil-Bibel zusammengefasst haben, trefflichst “A Ladies’ and Gentleman’s Guide to Dress and Style at the Goodwood Revival” genannt. Sollten Sie also mit Ihrem Frazer Nash beim nächsten “Revival” des Earl of March stilgerecht vorfahren wollen, halten Sie sich vielleicht besser an einige unserer Vorschläge.




The Wild One

Jeans, weißes T-Shirt, schwarze Lederjacke, Stiefel und Attitude, viel Attitude. Visualisieren Sie Marlon Brando in “The Wild One”, James Dean in egal welchem Film. Das Outfit hört sich einfach an, ist aber schwierig überzeugend rüberzubringen. Bierbauch, lichtes Haupthaar oder gar eine sichtbare Lesehilfe taugen gar nicht. TWO eignet sich hingegen hervorragend für stilsichere Fahrer von englischen Motorrädern wie BSA, Triumph oder einer alten Norton Big Four. Wer trotz fortgeschrittenen Alters trotzdem noch als “Wild One” durchgehen will, aber nicht mehr aufs Krad kommt, für den eignen sich vierrädrige Klassiker amerikanischer Provenienz, sagen wir mal ein Cunningham.




The Female Flyer

In den Jahren zwischen den Kriegen baute ein Vorfahre des heutigen Earls, der neunte Duke of Richmond, experimentelle Flugzeuge, und einige seiner äußerst attraktiven Bewunderer “of the female persuasion” pilotierten die Flieger gar selber, was durchaus missverständlich interpretiert werden kann. Der Style Guide bezeichnet die Aktivitäten der jungen Damen nämlich so, als hätten sie ganz gern “their hands at the joy stick” gehabt. So was macht sich ganz gut beim “Goodwood Revival”, wie Sie sich sicher vorstellen können. Man muss nicht gleich zum Äußersten gehen, aber ein Outfit, wie es Amelia Earhart trug – schicke Fliegerkappe mit Brille, Lederjacke mit Pelzkragen, dominante Handschuhe, Stiefel! –, kann man mit wenig Mühe zusammenstellen und steigt darin zum Beispiel sehr fotogen aus einem Triumph TR2. Als Inspiration empfehlen wir den Film “The Great Waldo Pepper”, oder “Amelia”. Bitte gehen Sie uns aber nicht verloren!

In den Jahren zwischen den Kriegen baute ein Vorfahre des heutigen Earls, der neunte Duke of Richmond, experimentelle Flugzeuge, und einige seiner äußerst attraktiven Bewunderer “of the female persuasion” pilotierten die Flieger gar selber.




The Mods

Ah, die Filme! “Quadrophenia”! “The Knack … and How to Get It”! Und die Roller! Mit den vielen Scheinwerfern! Sting! Sting? Na ja, vielleicht nicht der. Aber die Mods gehen weiter zurück als nur bis in die späten siebziger Jahre. Schon in den Fünfzigern waren die Mod-Accessoires en vogue. Dünne Jeans, ein grüner Parka, Polo-Hemden (mit hochgeschlagenem Kragen), Desert Boots. Trugen schon die Jazz-Musiker vor sechzig Jahren. Die Londoner Hipster griffen den Stil auf, and the Rest is History! Wir wissen allerdings nicht, ob das Fahren von Lambrettas auf der Goodwood Rennstrecke so wirklich gern gesehen wird.




L’Automobilista

Der Look ist mehr Attitude als alles andere, obwohl zugegebenerweise ein alter Jaguar schon richtig hilft. Ein Hut aus der Nachkriegskollektion von Dior macht sich ebenfalls gut. Sitzt die Automobilista selbst am Steuer, mag sie auch einen ledernen Flughelm aus dem Zweiten Weltkrieg tragen, solange es dem Haupthaar nicht schadet. Wem das Pilotieren eines Alvis oder eines Packards jedoch zu anstrengend ist, mag sich stilgerecht chauffieren lassen. Zählen tut dann nur der perfekte Ausstieg aus dem Automobil. P.S.: Vermeiden Sie alte MGs und frühe Minis.

Pioniere der “horseless carriage” findet man nicht nur unter Männern. Wer beim Earl of March gut ankommen will, erinnert sich besser daran, dass es in der Familie des Earls einige Vorfahrerinnen gibt, die sich nicht nur mit Autos gut auskannten, sondern auch noch prächtig darin aussahen – kurz Automobilistas. Wir empfehlen den Film “Bright Young Things” als Anschauungsmaterial.




The Racing Driver

Das typischste Outfit fürs “Goodwood Revival”, und doch schwierig, den Look perfekt zu inszenieren. Denken Sie an Stirling Moss in seinen jungen Jahren, Fangio oder gar den frühen Graham Hill. Tragen Sie Suixtil. Genieren Sie sich nicht, googeln Sie ruhig, keiner kennt heute mehr die alte Marke. Accessoiren Sie mit einer Fliege! Richtig, so fuhr Mike Hawthorne Rennen. Fahrerhandschuhe aus echtem Leder sind wichtig, die mit den Löchern an den Knöcheln. Und finden Sie einen alten Rennhelm. Mit der dazugehörenden Brille. Dann setzen Sie die “goggles” auf und bitten Ihren Freund, Ihnen schwarzgrauen Ölstaub ins Gesicht zu blasen. Nehmen Sie die Brille ab, steigen in Ihren Jaguar D-Type – and watch the crowd go wild!




Starlets and Divas

Kaufen Sie sich eine Sonnenbrille, möglichst eine große. Sehen Sie sich Sophia-Loren-Filme an, oder Marilyn Monroe in “The Misfits”. Hepburn in “Frühstück at Tiffany”. Hut! Ohrringe! Alles in Breitwand und 3D. Sie merken schon auf was es ankommt, oder? Star Quality! Suchen Sie Ihren Begleiter fürs “Revival” nach dessen fahrbarem Untersatz aus. Ein Coupé ist nicht sooo doll für Ihre Zwecke, eine Limousine geht nur, wenn Ihnen ein livrierter Chauffeur die hintere Wagentür öffnet. Ein offener Rolls aus dem Jahre 1956 ist da schon besser. Auch ein Bristol ginge schon.

Kaufen Sie sich eine Sonnenbrille, möglichst eine große. Sehen Sie sich Sophia-Loren-Filme an, oder Marilyn Monroe in “The Misfits”. Hepburn in “Frühstück at Tiffany”. Hut! Ohrringe! Alles in Breitwand und 3D. Sie merken schon auf was es ankommt, oder?




The Teddy Boys

“No Edwardian Dress!” besagten die Schilder an englischen Pubs, Kinos oder Dance Halls in den frühen Fünfzigern, und die Warnungen verrieten auch die Furcht der Insulaner vor der ersten rebellierenden Jugendkultur der Nachkriegszeit – smart gedresste Kids, “Dandies” mit pomadiertem Haar und, trotz unterschwellig drohendem Verhalten, exzellentem Geschmack. Der Daily Mirror (oder war’s der Daily Express) nannte sie 1953 “Teddy Boys”, und der Name blieb. Erinnern Sie sich an Ken Russell? Den genialen britischen Regisseur? Na also. Sollten Sie keine passende Kleidung auf dem Flohmarkt finden, wenden Sie sich an Colin Taub, den letzten der Londoner East-End-Schneider, der noch richtig “Teddy Boys” kann.
Und treiben Sie unbedingt irgendwo einen Vauxhall Cresta auf, möglichst in Pink.


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