Heart of Glass

Welche Relevanz eine vernünftige Wohnungseinrichtung für das persönliche Glück hat, wissen wir inzwischen sehr genau. Werfen wir also direkt einen Blick in das Appartment von Designer Brian Atwood.
Text Wiebke Brauer
Bild Tim Williams

Ein Tipp gleich zu Beginn: Wenn Sie sich für Hedonismus und Wohnkultur interessieren, sollten Sie sich die Serie »Halston« über den gleichnamigen Modedesigner auf Netflix ansehen. Keine Zeit oder keine Lust mehr auf Streaming? Dann schauen Sie sich doch einfach dieses luftige Appartment in New York an. Das findet sich in dem neuen Viertel Hudson Yards im Westen von Manhattan, der Stadtteil besteht aus insgesamt 15 Wolkenkratzern, die neu hochgezogen wurden. »Das Appartment fühlte sich erwachsen an«, sagt Brian Atwood, der zuvor mit Mann und zwei Hunden in SoHo und Mailand gelebt hatte. Einen »Glaskasten im Himmel« nennt er seine Behausung im 64. Stock, in der man eine umfangreiche Sammlung von Modefotos, Vintage-Möbeln und skulpturaler Kunst entdecken kann.

Dass der Schuh-Designer gern schöne Dinge hortet, gibt er gerne zu. Als »high-class hoarder« bezeichnet er sich selber. Was man sieht: Im Wohnzimmer steht ein Sideboard von Karen Pearse, darauf ein Teeservice von Tom Dixon, die zwei Kerzenleuchter mit Sepia-Beinen haben die beiden im Urlaub auf Capri gefunden. Noch mehr Andenken stapeln sich in dem Tablett: Es sind Polaroids von Gästen, die im Laufe der Jahre gemacht wurden.

Brian Atwood wurde in Chicago geboren und studierte Kunst und Architektur an der Southern Illinois University und Modedesign am Fashion Institute of Technology in New York, NY. Nach seinem Studium arbeitete er als Model, wurde von Gianni Versace entdeckt. Dort war Atwood Chefdesigner für Accessoires, seine eigene Marke gründete er 2001.

Ehrlicherweise gibt Atwood zu, dass meistens in der Küche gegessen wird und nicht an dem Vintage­-Tisch, auf dem sich Bücher stapeln. Wer genau hinsieht, wird aber Teller von Versace entdecken, Atwood arbeitete im dortigen Traditionshaus einmal als Chef der Accessoire-Linie.

Der Klappstuhl wiederum stammt von der gerade schwer angesagten Künstlerin Sarah Coleman, die auf ungewöhnliche Art Vintage-Luxusgüter mit Alltagsgegenständen verbindet, wie Atwood erklärt. Die Messinglampe stammt wiederum aus den 1970er-Jahren, die Skulptur vom chinesischen Künstler Li Hongbo – sie ist übrigens aus etwa 7.000 bis 8.000 Lagen Papier geformt. Per Hand, versteht sich.

Die Arbeit will man sich nicht unbedingt vorstellen, wohl aber, hier mal für eine Stunde am Fenster zu stehen. Denn dann kann man beobachten, wie die Sonne im Hudson versinkt.


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