Heldentaten 
und bittere Tränen: Gerard Butler

Auf den ersten Blick strahlt Gerard Butler pures Testosteron aus: trainierter Körper, markantes Lächeln. Wenn der 51-Jährige dann auch noch von dem brennenden Truck erzählt, den er löschte, und von dem Jungen, den er vor dem Ertrinken rettete – und wir reden hier nicht von seinen Filmen –, könnte man meinen, dass der Schotte ein wandelndes Klischee wäre. Wäre da nicht seine sehr feinsinnige Note.
Text Rüdiger Sturm
Bild Jeff Vespa

Mister Butler, wir alle haben ein aufreibendes Jahr 2020 erlebt. Gab es für Sie einen besonders erfreulichen Moment in diesen Monaten?
Gerard Butler: Als ich in Griechenland war und das olympische Feuer nach Sparta tragen durfte. Können Sie sich das vorstellen? Ich, der kleine Junge aus Schottland, der in einer Sozialbau-Siedlung aufwuchs, laufe mit der olympischen Fackel. Es war eine einzigartige Erfahrung. Ich liebe Griechenland und die Griechen, und durch meinen Film »300«, in dem ich ja den Spartanerkönig Leonidas spielte, habe ich eine ganz besondere Beziehung zu diesem Land. Ich bekam auch noch die Ehrenbürgerwürde der Stadt. Die Regierung meinte, es sollten möglichst wenig Leute kommen, aber dann erschienen rund 10.000 Menschen.

Aber dann …
… wurden einen Tag später die Olympischen Spiele abgeblasen. Das bescherte mir die zweifelhafte Ehre, der letzte Fackelträger vor der Absage zu sein. Und dann hatte ich auch noch Schwierigkeiten, in die USA zurückzureisen, weil mittlerweile ein Einreiseverbot für Flüge aus Europa galt, und ich bin ja kein amerikanischer Staatsbürger.

Allerdings sind Sie es ja gewohnt, mit schwierigen Situationen zurechtzukommen. Zumindest nach Ihren Filmrollen zu schließen.
Ich komme mit Gefahren auch im echten Leben klar, dafür habe ich ein Talent: Wenn man mir einen Text gibt und ein Regisseur »Action« und »Cut« ruft. Aber im Ernst, ich bin ein hartgesottener Schotte. Und ich habe einige Menschen gerettet und sogar eine Tapferkeitsmedaille bekommen.

»Aber im Ernst, ich bin ein hartgesottener Schotte. Und ich habe einige Menschen gerettet und sogar eine Tapferkeitsmedaille bekommen.«

Gerard Butler

Wofür?
Ich sah, wie ein Junge in einem reißenden Fluss versank. Da sprang ich rein, obwohl das Wasser eiskalt war, und zog ihn raus. Ein andermal löschte ich bei einem Verkehrsunfall das Feuer in einem brennenden Truck. Ich stoppte einen Bus, holte mir einen Flammenlöscher und kroch unter das Fahrzeug. In dem Fall war das etwas zu tollkühn. Das Fahrzeug hätte explodieren können, wir man mir später erklärte. Vermutlich hatte ich das nicht auf dem Zettel, weil ich schon ein paar Bier intus hatte.

Mögen Sie solche Extremerfahrungen?
Nicht um jeden Preis. Ich bin auch öfter selbst dran schuld. Ich hatte einen Motorradunfall, bei dem ich mir beide Füße schwer verletzte und tagelang nicht laufen konnte. Es gab auch schon Situationen beim Surfen, in denen mich große Wellen runterzogen und ich wiederbelebt werden musste. Solche Sachen passieren mir immer wieder. Ich versuche jetzt vorsichtiger zu sein. Der Weg des friedvollen Kriegers ist wesentlich sinnvoller für mich.

Sie klingen aber relativ gelassen und fast selbstironisch, wenn Sie das erzählen.
Ich kann diese Erfahrungen nicht empfehlen. Aber vielleicht haben meine Filmrollen auf mich abgefärbt. Wie Sie schon sagten: Ich spiele oft die großen Helden. Und deren Maßstäben möchte ich auch gerecht werden. Ich fühle mich auch mental und emotional gerüstet, um mit schwierigen Situationen zurechtzukommen. Ich lasse mich nicht von Panik überwältigen. Und ich versuche eben darauf zu achten, was im Leben wirklich wichtig ist. Ich will zum Beispiel nicht einfach nur die ganze Zeit arbeiten. Was bringt es mir schon, wenn am Ende meines Lebens nur eine lange Filmografie übrig bleibt?

»Solche Sachen passieren mir immer wieder. Ich versuche jetzt vorsichtiger zu sein.«

Gerard Butler

Gibt es denn andere Talente, die Sie noch ausleben möchten?
Ich kann ganz toll mit meinem Bauch wackeln. Das sollten Sie mal sehen.

Verführerischer Gedanke. In Bezug darauf: Sie gelten als jemand, der Frauen sehr mag.
Das war eine Zeit lang so. Ich bin aber nicht mehr der wilde Junge von früher. Ich liebe es auch, wenn ich mal in Ruhe abends im Bett sitze und einfach nur lese. Dann denke ich mir: »Alle, die mich für diesen verrückten Frauenhelden halten, sollten mich jetzt mal sehen.«

Das heißt, Sie werden Ihrem Ruf gar nicht mehr gerecht?
Sagen wir’s so: Ich bin kein Engel, aber ich bin auch kein Teufel. Diese Art von wildem Leben hat schon ihre Reize, aber du kannst eben deine Zeit auch anders verbringen. Es ist gut, wenn in deinem Privatleben endlich Ruhe einkehrt.

»Ich kann ganz toll mit meinem Bauch wackeln. Das sollten Sie mal sehen.«

Gerard Butler

Welche Eigenschaften muss eine Frau mitbringen, mit der Sie sich zur Ruhe setzen möchten? Gibt es da bestimmte Kriterien?
Ich habe keine fixe Checkliste, die ich da Punkt für Punkt runtergehe.

Wirklich nicht?
Okay, ganz ehrlich, es gibt wahrscheinlich schon so eine Liste, aber keine, auf der ich Sachen ankreuze. Es ist eher so: Ich sehe eine Frau, die ich attraktiv finde – und das bedeutet, dass sie irgendwelche Eigenschaften haben muss, die für mich wichtig sind. Aber der Abgleich geschieht eher unbewusst.

Sie können aber doch sicher solche Eigenschaften benennen?

→ Lesen Sie das gesamte Interview mit Gerard Butler in der rampstyle #21


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