It’s in the Mix

In der Musik steht der Begriff »Mashup« für Songs, die aus mehreren zusammengemischt wurden. In der Fotografie könnte man den Begriff anhand der Bilder von Paul Fuentes erklären – der die Welt auch ein bisschen anders arrangiert.
Text Wiebke Brauer
Bild Paul Fuentes

Sie schmücken Giraffen mit Luftballons, lassen Lamas Taxi fahren und inszenieren Donuts in der Wüste. Mal vorsichtig gefragt: Was bedeutet Realität für Sie?
(lacht) Ich denke, dass das jeder selbst entscheiden muss, wir leben jedoch sicher nicht alle in derselben Realität. Menschen haben verschiedene Wahrnehmungen. Zudem identifizieren sich Menschen je nach Persönlichkeit mit verschiedenen Tieren, was der Kunst große Möglichkeiten eröffnet.

Sie fingen aber nicht mit Tieren an, sondern mit Lebensmitteln. Wie kamen Sie auf die Idee?
Ich kann nicht genau sagen, woher die kam. Grundsätzlich interessierte ich mich aber schon immer für Lebensmittelwerbung. Meistens ist das beworbene Essen gar kein Essen, und das machte mich damals verrückt. Ich beschloss also, dasselbe aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.

Downey. Das älteste McDonald's-Restaurant ist ein Drive-up-Hamburger-Stand auf dem Lakewood Boulevard in Downey. Für mich ist wahres Glück, mitten in der Nacht einen Hamburger zu essen. Das ist eine der wertvollsten Erinnerungen, die ich mit meinem Vater habe.

Würden Sie sagen, dass Ihre bizarren Kombinationen ein Musterbeispiel für Kreativität sind?
Für mich ist Kreativität die Verbindung erwartbarer Ideen auf eine Weise, die etwas Neues und Interessantes schafft. Ich stimme also zu, dass meine Kunst in gewisser Weise die Realität verzerrt, was der Definition von bizarr durchaus entspricht.

Sie haben einmal gesagt: »Die leuchtenden Pastellfarben in meinen Werken sind eine direkte Referenz zu Mexiko.« Würden Sie Ihre Kunst als mexikanische PopArt bezeichnen?
Ich empfinde meine Kunst nicht als besonders mexikanisch. Ich bin jedoch sicherlich von der Architektur, dem Essen und der Kunst meines Landes inspiriert, weil diese humorvoll und bunt sind. PopArt ist meiner Meinung nach Kunst, die sich an die breite Masse richtet. Die Einschränkung auf »mexikanisch« erscheint mir deshalb unpassend.

Was man jetzt nicht vermutet hätte: Ihr Lieblingskünstler ist Caravaggio. Warum gerade ein Maler des Frühbarocks?
Als Stilllebenfotograf male ich mit Licht. Wenn man Caravaggios Bilder betrachtet, erkennt man sein herausragendes Talent, Licht und Schatten perfekt einzusetzen. Darüber hinaus sind seine Bilder nicht rein religiös. Er ging hier andere Wege, was für Künstler seiner Zeit alles andere als einfach war. Damals malte man Religion oder die Aristokratie. Diesen Aspekt seiner Malerei schätze ich sehr.

Wie sehen Sie die Rolle des Künstlers in der heutigen Zeit, in der die Digitalisierung immer rasanter voranschreitet?
Für mich hat die Digitalisierung positive und negative Seiten. Es gibt viele Künstler, die großartige Werke schaffen und einen sehr professionellen Feed gestalten. Sie erfüllen damit die wichtigste Voraussetzung, nämlich sich mit den auftretenden Veränderungen weiterzuentwickeln. Leider sehe ich auch viele Menschen, die Künstler sein wollen, außer ihrem Streben nach Aufmerksamkeit in den sozialen Medien jedoch keinerlei Botschaft haben. Sie passen sich laufend an, um im Trend zu bleiben. Und es gerät immer mehr in Vergessenheit, dass man die Technik beherrschen muss. Jeder hat heute eine Kamera auf seinem Smartphone und kann einfach einen Stil kopieren, Voreinstellungen und Filter nutzen. Meine Karriere wäre ohne Instagram sicher langsamer verlaufen – und man muss ganz offen sagen, dass Instagram Künstlern unglaubliche Chancen eröffnet.

»Die Kunst war noch nie so voller komischer Elemente wie heute. Es ist eine gute Zeit zu lachen, besonders wenn die Welt so verrückt ist.«

Letzte Frage: Sie sagten, dass Sie Menschen gerne zum Lachen bringen. Halten Sie Humor aktuell für wichtiger denn je?
Ich versuche tatsächlich, Menschen zum Lachen zu bringen, aber eigentlich möchte ich sie glücklich machen. Und ich denke auch, dass wir in einem Zeitalter des Humors leben. Die Kunst war noch nie so voller komischer Elemente wie heute. Es ist eine gute Zeit zu lachen, besonders wenn die Welt so verrückt ist.



Paul Fuentes nur als Fotograf und Grafikdesigner zu bezeichnen, wäre zu kurz gegriffen. Fuentes wuchs in Mexiko-Stadt auf, arbeitete nach seinem Studium als Designer für die Universidad Anáhuac México, reiste nach Europa, kam zurück und startete mit neuen Ideen auf Instagram. Seine surrealen Bilder von Lebensmitteln, Tieren und Objekten machten ihn berühmt – so berühmt, dass er in London eine eigene Designagentur gründete und unter anderem für Apple oder Dior arbeitete. Sein Credo: die Menschen zum Lachen zu bringen


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