Lichtjahre

»Dicht dran. Volles Risiko. Volle Emotion.« So lautete das Motto des Fotografen Horst H. Baumann, der als einer der Ersten die Rennen der Formel 1 in Farbe festhielt.
Text Michael Petersen
Bild Horst H. Baumann

Lichtjahre sind eine Maßeinheit für irrwitziges Tempo. Aber ebenso für schier unvorstellbare Entfernungen. Um Zahlen zu nennen: Licht legt in einer Sekunde 299.792 Kilometer zurück. Und in einem Jahr schafft es eine Strecke von etwa 9,46 Billionen Kilometern. So gesehen ist der Begriff »Lichtjahre« sehr passend, wenn man auf die Bilder von damals schaut, sich vergegenwärtigt, was Geschwindigkeit damals bedeutete – und er ist sehr passend, wenn man sie mit denen der aktuellen Formel 1 vergleicht. Dazwischen liegen schlicht Welten. Heute: ungeheur schnell, vorbildlich sicher – Gott sei Dank! – die voneinander abgeschotteten Piloten bewegen komplexe Hybrid-Apparate, die mit den filigranen Geschossen von einst so gar nichts mehr gemein haben. Wie sagte der französisch-schweizerische Fahrer Romain Grosjean im November 2018? »Wir retten nicht die Welt, wir sind keine Neurochirurgen, wir tun niemandem einen großen Gefallen. Wir fahren Technologien, die niemals in einem Serienauto verbaut werden.« Es ging damals um eine Rangelei zwischen Max Verstappen und Esteban Ocon – und fairerweise sollte man ergänzen, dass Grosjean noch sagte: »Aber die Leute schauen die Rennen, weil sie die Emotionen lieben.«

Aber sprechen wir über die Sechziger: Oft waren die Fahrer miteinander befreundet, verbrachten gemeinsam die freie Zeit zwischen Training und Rennen. Wovon es übrigens genug gab, zumal es bei Teambesprechungen angesichts überschaubarer Technik und Einstellmöglichkeiten am Fahrwerk nicht viel zu bereden gab. Graham Hill, der Weltmeister von 1962 und 1968, griff gern auch mal selbst zum Schraubenschlüssel. Auslaufzonen? Von wegen! Das Publikum schaute den Fahrern aus der Nähe bei der Arbeit zu. Dank Halbschalenhelm und tief ausgeschnittenen Cockpits war die Mimik – von Konzentration bis Anstrengung – klar auszumachen.

Graham Hill, der Weltmeister von 1962 und 1968, griff gern auch mal selbst zum Schraubenschlüssel. Auslaufzonen? Von wegen!

Die Lichtgestalten wurden bewundert, verehrt – und betrauert. Jackie Stewart, Champion von 1969, 1971 und 1973, zählte am Ende seiner Karriere nach, dass er 57 Kollegen verloren hatte. Allen voran 1968 in Hockenheim seinen Freund Jim Clark. Besonders anschaulich drückte es Hans Herrmann, heute 92, aus: »Beim Kauf einer Tube Zahnpasta habe ich mir manchmal überlegt, ob ich sie überhaupt aufbrauchen werde.« Warum das alles? Leidenschaft, Hingabe an den Sport, der unbändige Wille, zu bezwingen, was kaum ein anderer beherrscht. Mit Geld hatte dieser Wahn übrigens herzlich wenig zu tun: Von den 40 Millionen Dollar Jahresgehalt, die ein Hamilton erhalten soll, waren diese Piloten, sagen wir mal, Lichtjahre entfernt.

Weitere Aufnahmen von Horst H. Baumann finden sie in der aktuellen rampstyle #21.


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