Freiheitstool hoch zwei: Porsche 911 mit Dachzelt

Roadmovies leben zeitlos von Sehnsucht und Hoffnung, Mut und Aufbruch. Vor allem aber von dem Gefühl der Freiheit. Alles wie im echten Leben eben. Also nichts wie mittenrein. Am besten mit einer ultimativen Freiheitstoolkombination aus Porsche 911 und Dachzelt. Ab nach Berlin, das ist ja klar.
Text Michael Köckritz
Bild David Breun

Bei einer Wanderung etwas abseits des Pfades durch das Vorgebirge des Mount Hood hörte Matthew B. Crawford, promovierter Philosoph und gelernter Motorradmechaniker, einmal plötzlich Stimmen, die sich näherten. Kein Sprechen, kein Singen. Als er genauer hinhörte, wurde ihm klar, dass da zwei Personen versuchten, den Klang eines Zweitaktmotorrads nachzuahmen. Ein Mann und eine Frau, die mit nach vorne ausgestreckten Armen den schmalen Weg heruntergelaufen kamen, so als würden sie einen Lenker halten. Wenn sie lauter wurden, machten sie mit der rechten Faust eine Drehbewegung.

Hüpften sie über kleine Bodenunebenheiten, streckten sie zum imitierten Aufheulen des Motors in der Luft ihren Hintern zur Seite, als würden sie das Hinterrad im Motocross-Stil nach außen drücken. Ein Paar mittleren Alters, das sich mit einem motorisierten Pendant der Luftgitarre durch seine eigene, geheime Welt bewegte.

Für Crawford hatten die beiden offenkundig mehr Spaß, als jemand haben darf, der älter als zwölf Jahre ist. Sein aktuelles Buch, so schreibt Matthew B. Crawford in seinem Vorwort, hat er diesem Pärchen gewidmet.

»Philosophie des Fahrens« heißt das Buch und steht in strahlendem Gelb auf dem Schwarzweißbild der Titelseite. Das Motiv zeigt einen offenen Alfa Romeo Klassiker auf einer Bilderbuch-Panorama-Traumstraße, die sofort den 17-Mile Drive am Highway 1 erahnen lässt. Das nostalgische Cover ist eher düster. Wer fährt, erkennt man nicht. Es könnten gut wir selbst sein.

»Warum wir gern am Steuer sitzen und was das mit Freiheit zu tun hat« lautet die Unterzeile, die den Orginaltitel »Why we drive« direkt aufgreift. Denn darum geht es Crawford.

Im Auto sind wir im privaten Raum unterwegs, teilen die Straße mit anderen, die Fähigkeit zu kooperieren und spontan zu verhandeln ist elementar.

Crawford feiert das Fahren. Eindringlich, plastisch, plausibel. Das Buch liest sich wie ein Roadmovie. Für ein Sachbuch angenehm überraschend, alles andere als abgehoben. Die Freude am Fahren, mit welchem Fahrzeug auch immer. Die Nutzung eines komplexen Werkzeugs zur Fortbewegung, die Faszination von allem Technischen, was unsere Fähigkeit, selbstbestimmt-beweglich in der Welt zu sein, wirksam verstärkt. Das, was – von ihm griffig formuliert – den »Homo moto« ausmacht. Das Fahren als unmittelbare, authentisch-phänomenologische Erfahrung menschlicher Identität. Im Vordergrund: das Selbstfahren. Das Fahren wird zum Sinnbild individueller Freiheit. Die Position des Fahrers hebt Crawford als einen der wenigen verbliebenen Orte hervor, wo manuelle Geschicklichkeit, individuelle Verantwortung, der Drang nach Erkundung und Abenteuer in Verbindung mit dem erlebten Gefühl von Freiheit eine reale Rolle spielen. Die Gängelung und Nivellierung durch aufgeregte Besserwisserei, wuchernde Bürokratie und politische Regelungswut, Überwachungs- und Aufmerksamkeitsökonomie (noch) etwas weiter weg.

Im Auto sind wir in einem privaten Raum unterwegs, teilen die Straße mit anderen, die Fähigkeit zu kooperieren und spontan zu verhandeln elementar. Kommunikation und Adaption. Ein guter Startpunkt, um über Solidarität in individualistischen Gesellschaften nachzudenken. Eine Kreuzung in einem Entwicklungsland wird hier zu einem beeindruckenden Beispiel. Kein Regelwerk weit und breit. Ein scheinbares Chaos. Aber es läuft. Der Verkehr fließt. Irgendwie. Dieser Verkehrsknotenpunkt interpretiert als ein Ort der spontan geregelten Verständigung zwischen Individuen – ein wesentlicher Aspekt unserer Demokratie.

Wenn die Idee des Autos schon bislang als unbekümmert nutzbares Fortbewegungsinstrument gut gegriffen hat, lockt sie mit so einem Camper-Tequipment erst recht als frische Unabhängigkeitserklärung auf Rädern.

Offensichtlich wird, was der Philosoph Tocqueville als wichtig für den demokratischen Charakter ansah: die Fähigkeit, kollektive Probleme gemeinsam zu lösen. Überlassen wir das der Automatisierung, verkümmert unsere Fähigkeit zur Gemeinschaftlichkeit, warnt Crawford.

So wird die Botschaft des Buches im weitesten Sinne auch politisch.

Crawford, alles andere als technologiefeindlich, warnt dann auch nur entsprechend konsequent davor, die Lösung kollektiver Probleme der Automatisierung zu überlassen.

Er könnte einem autonomen Auto etwas abgewinnen, wenn er täglich pendeln müsste, sagt Crawford. Doch beim Selberfahren kommen für ihn Risiko und Chance auf wohltuende Weise hinzu. Positive Zufälle inklusive. Man weiß eben nie genau, was so passiert. Das Interesse daran, jede Unsicherheit zu beseitigen, eliminiert für ihn das menschliche Element in der menschlichen Aktivität und das Bedürfnis nach sozialem Vertrauen.

Die Forderung nach einer maschinell erzeugten Gewissheit hat für Crawford die Vorstellung vom Menschen als inkompetentes Wesen hinterlegt, was sich dann eben nur selbst bestätigt, wenn Maschinen menschliches Handeln übernehmen, wir dadurch wichtige Fähigkeiten verlieren und dies zu weiterer Automatisierung führt. So eine Vision davon, alles idiotensicher zu machen, führt dazu, dass wir zu Idioten werden, fasst Crawford stimmig zusammen. Dummerweise sei dann auch das Versprechen der Bequemlichkeit und der Entlastung von der verantwortlichen Beteiligung an der Welt ein so starker Anreiz, dass wir uns leicht in Passivität und Abhängigkeit begeben.

Mit seinem Buch plädiert Craword für die Handlungsfähigkeit des Menschen in einer sich immer rascher verändernden Welt. Die Sehnsucht nach einer Zeit schwingt mit, in der sich das Autofahren anfühlte, als wären Lenkung und Pedale direkt mit dem Bauchgefühl verbunden – und nichts funkte dazwischen.

Es könnte Nostalgie sein, räumt Crawford ein, aber das wäre ja nicht unbedingt schlecht. Eher aber ist es ein Hinweis auf den Zustand der Welt, in der wir uns gerade befinden.

Eine Subkultur von Menschen, die selbst lenken wollen, wird es allerdings immer geben.

Das die Kurzfassung der knapp 470 Seiten und nur die eine Sache.

Die andere beginnt damit, dass Porsche ab sofort ein Dachzelt im Zubehörprogramm anbietet. Ein Aufbau montierbar auf 911, Macan, Cayenne, Panamera und Taycan. Wenn die Idee des Autos schon bislang als unbekümmert nutzbares Fortbewegungsinstrument gut gegriffen hat, lockt sie mit so einem Camper-Tequipment erst recht als frische Unabhängigkeitserklärung auf Rädern.

Klar, dass wir den Elfer sofort als Basismodell gewählt haben. Und klar, dass es – auch wenn man mit dem Hardcase auf dem Dach leider nicht schneller als 130 km/h unterwegs sein sollte – gleich mal nach Berlin ging.

Den Rest erzählen mehr oder weniger unsere Bilder.

Am Ende des Buches dankt Crawford dann auch augenzwinkernd seinen Töchtern G und J dafür, dass sie von ihm verlangen, auf dem Heimweg von der Vorschule die kurvenreiche Strecke zu nehmen, und ihm dabei »Fahr schneller« zurufen.

Bleibt also in der Familie. Hoffentlich auch in der erweiterten menschlichen.


ramp shop


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