Rising Tide: Fünf Fragen an Leon Glatzer

In diesem Jahr war Surfen das erste Mal olympisch. Mit dabei war ein junges Talent namens Leon Glatzer. Fünf Fragen an den aufstrebenden Star, der nach Tokio noch zwei oder drei olympische Spiele mitnehmen will - und mit uns locker in die neue Woche surft.
Text Alfred Rzyski
Bild Red Bull

Auf Hawaii geboren, in einem kleinen Ort im Süden von Costa Rica aufgewachsen, seit dem vierten Lebensjahr auf dem Surfbrett – und dieses verschmitztes Lächeln im Gesicht. Das ist Leon Glatzer. Wir treffen den jungen deutschen Athleten in Moliets-et-Maa an der französischen Atlantikküste, wo er trainiert und während der Sommermonate lebt. Wenn er nicht, wie dieses Jahr, bei den olympischen Spielen in Tokio auf Medaillenjagd geht. Oder wie zu Beginn der Corona-Pandemie mit seinem Bruder Motocross fährt. Im Interview erzählt er uns, wie die Spiele in Tokio für ihn liefen, was seine Pläne für die Zukunft sind – und was das das Bild der Surfer in der Pop-Kultur mit der Realität zu tun hat.





Herr Glatzer, das olympische Motto lautet: Dabei sein ist alles. Aber Hand auf’s Herz, wollten Sie nicht doch etwas mehr?
Natürlich wollte ich mehr, ganz klar. Wer zu den Olympischen Spielen fährt, will natürlich auch eine Medaille. Aber davon gibt es halt nur drei und dieses Mal hat es leider nicht geklappt. Aber ich hab ja noch zwei oder drei Spiele vor mir. Jetzt heißt es, Vollgas für Paris 2024 zu trainieren.

Es war nur ein Unterschied von 0,10 Zählern, also extrem knapp.
Ja, kurz nach meinem Lauf war ich stinksauer. Ich hätte einfach nur eine Welle mit ein bisschen mehr Potenzial benötigt, eine, die mir Platz für einen weiteren Turn gibt. Aber die Bedingungen waren einfach sehr schwierig. Und beim Wellenreiten benötigt man halt auch immer ein Quäntchen Glück.

»Ich hab ja noch zwei oder drei Spiele vor mir. Jetzt heißt es, Vollgas für Paris 2024 zu trainieren.«

Leon Glatzer

Die Surfkultur wird gerne romantisch dargestellt. Ist es wirklich so eine perfekte, schöne Welt?
Ja und nein. Hobbysurfer suchen immer die perfekte Welle, sind am Strand, in der Sonne, sie sehen das Schöne. Das ist auch nicht falsch, es ist romantisch, ein Paradies. Das Leben eines Profisurfers ist allerdings ganz anders. Natürlich gibt es Tage, an denen wir frei haben, aber normalerweise trainieren wir. Wenn die Wellen gut sind, gehen wir raus, bei Regen, Sturm und Wind. Wir surfen mit einem Ziel, sprechen danach mit dem Coach, gehen wieder rein. Das ist sehr anstrengend, lohnt sich aber auch. Und für mich ist es das beste Gefühl überhaupt, einen großen Wettkampf zu gewinnen. Insofern sind all diese harten Tage besser als eine perfekte Welle.

Sollte jeder surfen?
Natürlich! Das Gute am Surfen ist ja, dass man mit einer sehr kleinen Welle starten kann und es nicht gefährlich ist. Langsam wird man besser, kann größere Wellen angehen. Jeder kann es schaffen. Und wenn man fällt, dann ins Wasser – und nichts passiert.

Was würden Sie ändern, wenn Sie die Macht dazu hätten?
Ich mache mir sehr viele Gedanken um das Thema Nachhaltigkeit. Unsere Welt leidet, sie brennt. Wenn ich die Macht hätte, etwas zu ändern, wäre mein Wunsch, dass wir eine Welt hätten, in der alle Menschen gleich behandelt werden. Eine Welt, in der es ein Lächeln für alle gibt.

→ Das gesamte Interview mit Leon Glatzer lesen sie in der rampstyle #23. Dort spricht er über seine frühe Selbstständigkeit, das Thema Angst auf dem Surfbrett und seine Vorbilder.


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