Tony Kelly: Das Glück liegt
 auf dem Sunset Boulevard

Knallige Farben, provokante Motive, dazu eine Prise Humor und L.A.-Lifestyle. So lassen sich vielleicht die Bilder von Tony Kelly in Worte fassen. Der verriet uns im Interview seine liebsten Orte – und dass er Plagiate seiner Arbeit für das schönste Kompliment hält.
Text Natalie Diedrichs
Bild Tony Kelly

Herr Kelly, was macht Sie glücklich?
Ein zufriedener Geist, würde ich sagen. Vielleicht hätte die Antwort vor zehn Jahren noch anders gelautet. Da hätte ich wahrscheinlich gesagt, dass mich ein teures Auto oder eine schöne Uhr glücklich macht. Aber je mehr man sich persönlich entwickelt, umso wichtiger wird es einem, ohne Sorgen und guten Gewissens schlafen zu gehen. So hat es meine Mutter immer gesagt. Und da stimme ich ihr aus heutiger Sicht definitiv zu.

Was bedeutet »Glück« für Sie?
Dazu gehören meiner Meinung nach zwei Dinge: Du kannst im Lotto gewinnen. Aber um im Lotto zu gewinnen, musst du erst mal daran teilnehmen. Du brauchst also einen Lottoschein, denn ohne ihn kannst du nicht gewinnen. Und den musst du dir kaufen. Ich betrachte die Lotterie als eine Metapher fürs Leben: Damit jemand Glück hat, muss er sich selbst erst einmal in eine Position bringen, in der er Glück erfahren kann. Und das gelingt meiner Meinung nach nur mit harter Arbeit. Erst dann kommt auch das Glück. Ergibt das einen Sinn?

Absolut. Klingt ein bisschen wie der Amerikanische Traum.
Nun, ich bin Ire.

Stimmt. Aber es muss ja einen Grund gegeben haben, weshalb Sie nach Los Angeles gegangen sind.
Ja, vielleicht ist das ein bisschen so. Aber ich betrachte es eher auf einer menschlichen Ebene, nicht auf einer kulturellen. Es gibt da einen Spruch, der lautet: »Harte Arbeit siegt über Talent. Und zwar an jedem Tag, an dem Talent nicht hart arbeitet.« Und da spielt eben auch die Sache mit dem Glück rein, vor allem aus künstlerischer Sicht. Natürlich ist es wichtig, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, die richtigen Leute zu treffen, aber man muss präsent sein und winken, damit man wahrgenommen wird. Glück hat man erst, wenn man selbst etwas dafür tut.

»Man könnte mich als Schirmherr des Sunset Boulevard bezeichnen.«

Mit welchen Orten in Los Angeles verbinden Sie besonders glückliche Momente?
Der Fotograf Helmut Newton ist eines meiner absoluten Vorbilder. Ich kenne jedes Bild von ihm, habe sogar mal mit seiner Frau zusammen zu Abend gegessen, um noch mehr über ihn zu erfahren. Jedenfalls hat er mal gesagt, dass man sich nicht weiter als eine Meile von seinem Hotel entfernen muss, um den perfekten Platz zu finden. So sehe ich es auch. Natürlich wohne ich nicht in einem Hotel, sondern in einem Haus, aber in Los Angeles fühlt sich alles ein bisschen so an, als würde man in einem Hotel wohnen. Die Stadt gibt einem das Gefühl, in einem Urlaubsvideo zu leben. Der Traum eines jeden Künstlers.

Also finden Sie an jeder Ecke den perfekten Platz?
Wenn ich ein Bild gestalten will, gehe ich meistens einfach los und laufe herum. Ich wohne direkt in der Nähe des Sunset Boulevard, und bislang hatte ich noch nie die Situation, dass mir der Boulevard nicht den Ort bot, den ich gesucht hatte. Los Angeles ist mein Studio und der Boulevard dessen Hauptplattform. Hier gibt es so viele Ecken, Parkhäuser, Hotels, Dachterrassen, Gassen, Gärten, Hecken, Palmen – es ist wirklich mein absoluter Lieblingsplatz auf der Welt, um Fotos zu machen.

Und wo gehen Sie hin, wenn Sie mal keine Fotos machen?
Ich fotografiere auf dem Boulevard und verbringe auch den größten Teil meines Privatlebens dort. Man findet mich normalerweise an einem der folgenden drei Plätze: Erstens das Chateau Marmont. Dort spielt mein Freund Jason Pelsey Klavier, der übrigens auch mein Klavierlehrer ist. Dreimal in der Woche gibt er mir Klavierstunden und dreimal in der Woche spielt er im Chateau. Wir sehen uns fast jeden Tag in der Woche. Wenn ich nicht dort bin, gehe ich oft ins Sunset Tower Hotel. Oder ich fahre in den Hollywood Hills Fahrrad. Aber die meiste Zeit bin ich auf dem Boulevard. Man könnte mich als Schirmherr des Sunset Boulevard bezeichnen.

→ Lesen Sie das komplette Interview in der rampstyle #19


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