Urbane Archäologie: ein Besuch bei Guy Mathews

In seiner Heimat Australien gilt der Händler und Künstler Guy Mathews als Pionier des Industrial-Vintage. Wir dagegen würden ihn eher als Archäologen der Urbanität bezeichnen.
Text Alexander Morath
Bild Armelle Habib

Guy Mathews liebt Geschichten. Und er erzählt sie gerne: In seinem Apartment in Fitzroy, Melbourne, wo der Australier mit einer Ansammlung von Designklassikern eine Epoche der Funktionalität und der puristischen Formgebung neu aufleben lässt. Seine Leidenschaft hat er zum Beruf gemacht. Und das ziemlich erfolgreich. Mathews ist Antiquitätenhändler und Möbeldesigner, zu seiner Kundschaft zählen Architekten, Innenausstatter, Bar und Restaurantbesitzer. Er selbst bezeichnet sich auch als urbanen Archäologen.

Egal ob Drehstuhl-Hocker, massiver Arbeitstisch oder Metallkommode – Guy Mathews macht sie ausfindig, die mobiliaren Schätze des Industriesektors.

Egal ob Drehstuhl-Hocker, massiver Arbeitstisch oder Metallkommode – Guy Mathews macht sie ausfindig, die mobiliaren Schätze des Industriesektors. Dafür verschafft er sich Zugang zu alten, längst pensionierten Stahlgießereien und Baumwollmühlen. Er reist dorthin, wo das produzierende Gewerbe tiefe Spuren hinterlassen hat, etwa in Paris, New York oder Neuengland. Dass er für die Heimreise gelegentlich einen Frachtcontainer anmieten muss, kann durchaus passieren.

Bei seinem Streifzug durch das industrielle Erbe fördert er eben so einiges zu Tage. Guy Mathews ist aber nicht nur für seinen Spürsinn bekannt, er versteht es auch, die Möbelstücke in neue, fast schon künstlerische Zusammenhänge einzubetten. Etwa, indem er selbst den Farbtopf anrührt und die Oberfläche seiner Möbel bepinselt. Oder dadurch, dass er einzelne Stücke unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Alters miteinander kombiniert, und zwar auf eine Weise, dass sich eine symbiotische Ästhetik herausschält. Daneben spielt das Thema Vintage auch bei seinen typografischen, aus großen Zahlen und Lettern bestehenden Collagen eine zentrale Rolle. Aber das wäre wieder eine andere Geschichte.

Die ganze Story: → rampstyle #10


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