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Stadt, Land, Wald: der Subaru WRX STI

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Maximilian Balázs

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Maximilian Balázs

Die wenigsten Stadtmenschen sind Abenteurer. Ganz ehrlich. Der Supermarkt ist direkt um die Ecke, der Netflix-Account übernimmt die Abendgestaltung unter der Woche und im Fitnessstudio lässt sich die Steigung des Laufbandes elektrisch einstellen. Gipfelstürmer? Leider nicht. Autohersteller verschreiben uns moderne Lifestyle-SUV als Rezept gegen Alltags-Ödnis. Doch motivieren sie dich zum Abenteuer? Nein. Die Kompakten funktionieren zwar erstklassig im Stadtverkehr – klein, wendig, erhöhte Sitzposition, flinkes Doppelkupplungsgetriebe. Doch es ist so, als würden sie dir sanft über den Kopf streicheln und dir versprechen, dass du deine Komfortzone niemals verlassen musst. Wer in der Stadt ein Abenteuer sucht, der braucht ein Auto, das ihn zu Abenteuern zwingt!

Freitag, 18Uhr. Feierabend. Ich verlasse die Redaktion und kläre per Whatsapp mit meiner Freundin, welche Serie wir am Abend streamen werden. Game of Thrones? Warum nicht! Ab nach Hause. In der Tiefgarage steht er vor mir. Der Lack funkelt in Pearl-Blue, der große Heckspoiler ragt selbstbewusst nach oben und am Kotflügel prangen drei Buchstaben: STI. Subaru Technica International – die Motorsportabteilung der Japaner. In Zahlen gefasst: 2,5-Liter Vierzylinder-Boxer, ein Abgasturbolader, 300 Pferdchen, Schaltgetriebe mit sechs Gängen und vier angetriebene Räder. Was will man mehr? Seit meiner Kindheit träume ich von ihm. Früher hieß er Impreza. Für meine Eltern bedeutet der Name so viel wie „lange Diskussionen über rationale und irrationale Entscheidungen beim ersten Autokauf“. Nun heißt er WRX, ein unbeschriebenes Blatt. Die goldenen Felgen vergangener Generationen sind auch verschwunden. Was soll’s, neuer Versuch! Mein Lächeln nimmt mir heute niemand mehr. Ich starte ihn, der Boxer erklingt und ich verfalle in einen regelrechten Subaru-Rausch. Ich bin zu Hause. Drachen, Könige und weiße Wanderer flimmern über den Bildschirm. Und mein Abenteuer?

Der nächste Morgen. Wochenendeinkauf. Nehmen wir doch den Subaru! Großer Kofferraum und fünf Türen – ein hervorragender Einkaufswagen. Schnell ausparken, dem Heckspoiler im Rückspiegel freundlich lächelnd „Guten Morgen“ sagen und ab ins Verkehrschaos. Wir eilen nicht, wir bummeln. Das Motoröl ist sowieso noch nicht auf Betriebstemperatur für hohe Drehzahlen und etwas Ladedruck. Nach 20 Minuten, einem ermüdenden Kupplungsfuß und zähem Verkehr erreichen wir den Supermarkt. Jetzt ist der Subaru warm. Alles einpacken und ab nach Hause? „Nein“, flüstert mir der Boxer wummernd zu, „Du und ich, wir gehen jetzt spielen!“ Ich habe keine Wahl. Also raus aus der Stop-and-Go-Pampe und rein ins Abenteuer! Ob sich meine Eltern über den Anblick meines Kindheits-Helden genauso freuen wie ich? Immerhin war er der Aufhänger abendfüllender Gespräche. Finden wir es heraus, ab auf die Landstraße Richtung Süden. Dieser Subaru ist ein Sportwagen und versteckt es nicht. Weder optisch noch technisch. Er polarisiert. Die einen finden ihn prollig, die anderen verfallen dem „Subie-Kult“. Auf Instagram ist er ein Star. #subarulove #subarudaily #subieflow. An den ersten freien Kreuzungen darf er endlich beschleunigen. Über 3000 Umdrehungen und schon schnellt der Ladedruck auf über 1 Bar. Alle vier Räder preschen los, Antriebsverteilung 50 Prozent vorne, 50 Prozent hinten. Die Straße ist nass, mein Grinsen ist breit. Diese Power weckt Erinnerungen.

Gang für Gang. Wie oft habe ich mir vorgenommen, für einen Subaru zu sparen. Viele Jahre sind vergangen und ich habe immer noch keinen. Wie konnte ich nur! Nun sitze ich im 2018er Modell und mich packt die 90er-Nostalgie. Ich versuche, alle Aspekte zu betrachten. Pro und Contra, so wie früher. Im Vergleich zu seiner Konkurrenz ist er weder schneller noch komfortabler oder gar preiswerter. Die Evolution der Sportwagen ist an ihm vorbeigezogen. Die größte Errungenschaft der letzten Jahre dürfte wohl sein Navigationssystem sein, das jetzt einen Touchscreen hat. Trotzdem hat er mir den Kopf verdreht. Vielleicht, weil er einfach anders sein will. Wer einem Subaru WRX STI kauft, setzt ein Statement gegen den Mainstream. Und zwar klar und deutlich. Langsam erreichen wir meine Heimat. Nur noch ein Wald liegt dazwischen. Ich schiele immer wieder auf die verlockenden Pfade, die sich links und rechts von der Landstraße durchs Dickicht schlängeln. Denke an Rallye-Weltmeisterschaften und Subaru-Werksfahrer wie Collin McRae, Richard Burns und Petter Solberg. Was wäre, wenn ich jetzt einfach abbiegen würde? Bei dem Mistwetter geht sowieso niemand im Wald spazieren. Dann erspähe ich die perfekte Gelegenheit. Keine Schranke, keine Wanderer, kein Asphalt. Der Boxer säuselt: „Jetzt tu es doch endlich!“ Also biege ich ab und fange vor Freude an zu lachen und zu jauchzen. Auf Laub und Kies entwickelt der WRX dank Allradantrieb und abgeschalteter Fahrhilfen eine einzigartige Querdynamik. Als würde die Hinterachse mitlenken und das Auto schwimmen. Wann habe ich mich das letzte Mal so lebendig gefühlt? Auf der Couch, beim Krafttraining oder an der Kassenschlange sicher nicht! Ob mir ein Golf so viel Fahrspaß bieten kann oder ein Skoda Karoq? Die Frage war eindeutig rhetorisch. Ein dickes Plus-Argument landet auf meiner imaginären Pro-und-Contra-Liste. Wir verlassen den Wald, die letzten Kieselsteine springen aus dem Radkasten und ich bin wieder auf Kurs. Wir erreichen die Einfahrt, mein Vater öffnet schon die Tür. Er schüttelt den Kopf und empfängt mich mit den Worten: „Bist du verrückt? Ein Impreza? Wann wirst du endlich erwachsen!“

Busy working on the new ramp issue Verstanden

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